Freudestrahlend hältst du den positiven Schwangerschaftstest in der Hand. Dein ganzer Körper fühlt sich nach Glück an. Doch dann kommen die ersten Zweifel. Wie soll ich das schaffen? Wie soll das denn überhaupt funktionieren.

Keine Frage, das Kind ist gewollt, du freust dich und diese Gedanken dürfen trotzdem sein.

Ihr geht als Paar und du als Frau einen großen Schritt: ein neues Leben entsteht und darf wachsen. Genauso wie dieses kleine Leben wachsen darf, darfst auch du wachsen. Du darfst in die neue Situation hinein wachsen.

Erste Veränderungen

Vielleicht spürst du sehr genau, wie sich dein Körper verändert. Achtest auf jedes ziehen und jedes Anzeichen. Du kannst vielleicht merken, dass sich dein Geruchssinn verändert, deine Vorlieben und Bedürfnisse oder auch schon deine Empfindsamkeit, sowohl auf körperlicher, als auch auf psychischer Ebene. Das ist völlig ok und es ist auch ok, wenn das nicht so der Fall ist (wenn du dir darüber Sorgen machst, kannst du die Frage auch mit zu deiner Vorsorgeuntersuchung bei deiner Hebamme oder Frauenärzt:in nehmen).

Bald darauf kann es passieren, dass du spürst, dass plötzlich dein Körper ganz anders reagiert als sonst. Dir wird übel und du musst dich übergeben. Du hast deinen Körper nicht mehr so unter Kontrolle. Das kann vielleicht wichtig für dich sein, soviel wie möglich unter Kontrolle zu haben, wenn du sexuelle Gewalterfahrungen hast. Und du darfst dich auf den Weg machen, dass sich dein Körper verändert und du nicht alles kontrollieren kannst (Spoiler: Gerade für die Geburt macht es Sinn, sich mit dem Thema Kontrolle und möglicher Kontrollverlust auseinander zu setzen).

Mögliche Trigger und wie du damit umgehen kannst!

Übelkeit und Erbrechen im ersten Timester

Es kann sein, dass dir dein Körper in dieser Situation Angst macht und du mit dir haderst, ob das nun so eine gute Idee war, das ganze nun zu wollen. Dieses Baby zu wollen und diese Schwangerschaft zu wollen. Es gab gute Gründe, die für dich für dieses Baby gesprochen haben. Die darfst du dir imer mal wieder in Erinnerung rufen. Wenn dir das gut tut, darfst du dir die Gründe auch in der Wohnung aufhängen: als Wort, als Satz oder als Bild, bei dem nur du weißt, was es bedeutet. Kleine Anker im Alltag, die dir helfen sowohl im Hier und Jetzt zu bleiben und zu sein und die dir auch helfen durch die schwierige Anfangszeit zu kommen. Bei den meisten Frauen lässt die Übelkeit nämlich auch wieder nach. Hast du schon eine Hebamme an der Hand, kannst du sie auch um Tipps bitten für einen guten Umgang mit der Übelkeit: Von Ingwertee über Armbänder und bestimmte Bonbons hat bei mir in unterschiedlichen Situation immer was anderes geholfen. Da darfst du auch kreativ sein.

Der Umgang mit der Übelkeit ist so der erste Punkt. Der Zweite wird für Frauen interessant, die durch das Thema Übelkeit und Erbrechen getriggert werden, d.h. durch diese körperliche Reaktion hineingezogen werden in eine traumatische Situation. Sie sind nicht mehr im Hier und Jetz, sondern im Jahr X, an Tag X, an dem sie z.B. sexuelle Gewalt erlebt haben. Als Erstes ist es wichtig, das als solches zu erkennen und zu benennen: “Mich triggert meine körperliche Reaktion”. Vielleicht sogar: “weil ich das Gefühl habe, dass ich keine Kontrolle über meinen Körper habe”. Dieses benennen kannst du für dich machen, mit deiner Hebamme zusammen, mit deiner Therapeutin oder auch mit mir. Manchmal verliert der Trigger schon dadurch an Substanz. Die Entlarfung reicht, dass die Situation nicht so überwältigend ist. Manchmal ist und bleibt das jedoch der erste Schritt.

Im Zweiten kannst du dann überlegen, was dir gut tun würde und wie du ins Hier und Jetzt kommen kannst. Klar, das funktioniert nicht in der Situation sondern sollte vorbereitet sein und in einer ruhigen Situation vorbereitet werden. Hier macht es Sinn, sich die Sinne anzuschauen:

  • Was höre ich gerne?
  • Was sehe ich gerne?
  • Was fühle ich gerne?
  • Was schmecke ich gerne?
  • Was rieche ich gerne?

Hast du eine Liste für dich zusammen, kannst du eine Gewichtung vornehmen und schauen, was könnte in welcher Situation passen. Was könnte dir in welchem Erregungszustand helfen ins Hier und Jetzt zu kommen oder sogar zu bleiben: Ist es eine schöne Musik oder Meditation? Ist es ein Bild, an dem du dich festhalten kannst oder ein Knautschball? Ist es der Ingwertee oder ein Kinderlakritz (das hat mir sehr gut geholfen, bitte schau selbst, da richtiges Lakritz in der Schwangerschaft auch negativ bewertet wird)? Magst du den Geruch von Lavendel oder Pfefferminz?

Meine Liste in der frühen Schwangerschaft

Es ist wichtig, dass du DEINE Sachen findest. Manchmal hilft jedoch eine Liste, um zu schauen, ob da noch etwas bei ist, was man selbst ausprobieren könnte. Mir hat gut geholfen:

  • Pfefferminztee
  • Atemmeditation (vor allem während der Autofahrt als Beifahrerin) oder einfach tief in den Bauch Atmen
  • Imaginationsübungen
  • Lavendelbad
  • Hoffnung, dass das Übergeben bald vorbei ist
  • Kinderlakritz langsam lutschen (das war im Grunde meine Geheimwaffe, da mein Gefühl von Übelkeit davon fast immer weg gegangen ist)

Ich habe auch ausprobiert:

  • Nausema
  • Ingwertee

Was ich nicht probiert habe, wovon ich jedoch auch viel gutes gehört habe:

  • Akupressur

Ich freue mich von dir in den Kommentaren zu lesen: Was hilft dir gegen die Übelkeit während der Schwangerschaft?

Corona und weitere Schwierigkeiten und mögliche Trigger

In der aktuellen situation kommen noch ein paar weitere Schwierigkeiten hinzu und auch mögliche weitere Trigger. So ist es aktuell üblich, dass du alleine und mit Maske die Vorsorgeuntersuchung wahrnehmen musst. Das kann für dich ganz gut funktionieren oder auch eben nicht und dann macht es Sinn da genauer hinzuschauen. Mal abgesehen davon, dass Männern noch mehr die Möglichkeit verwehrt wird, selbst Fragen zu stellen und langsam in ihre neue Rolle als Vater hereinzuwachsen, kann es für dich auch bedeuten, dass eine wichtige Unterstützung wärend der Untersuchung weg fällt.

  • Könntest du während der Untersuchung eine Videokonferenz per Handy mit deinem Freund/ Mann aufbauen? Er könnte selbst Fragen stellen und du hättest ihn direkt dabei. Das kann auch Sinn machen, wenn du Angst hast, während der Untersuchung ohne Unterstützung zu dissoziieren.
  • Könntest du um einen Termin in den Randzeiten bitten? Dadurch hast du die Möglichkeit, dass du nicht so lange mit Maske im Wartezimmer auf deinen termin warten musst, da es ja hin und wieder zu Terminverschiebungen kommt.
  • Ebenfalls macht es Sinn, deiner Hebamme und deiner Frauenärzt:in von deinen Schwierigkeiten zu berichten, dass du alleine am Termin da sein sollst und das dich das Maske tragen triggert.

Auch hierbei ist es wichtig, dass du dich gut auf die Vorsorgeuntersuchung vorbereitest. Es kann helfen, sich zu überlegen, was dir in welcher Situation gut tun könnte. Außerdem hast du jeder Zeit das Recht, die Untersuchung zu unterbrechen und Untersuchungen, die nicht medizinisch notwendig sind abzulehnen oder zu verschieben, wenn sie dir wichtig sind.

Die Veränderung deines Körpers darf auch mit einer Veränderung deiner selbst einher gehen: Du bist wichtig und dir darf es gut gehen!

Wie fühlt es sich an, wenn du dich in den Mittelpunkt stellst? Schreib mir gern in die Kommentare.