Manchmal entstehen große Träume aus ganz kleinen Momenten. Aus einem schiefen Ton auf der Blockflöte. Aus einem tiefen Atemzug in der Schwangerschaft. Oder aus dem leisen Entschluss: Ich gebe nicht auf.
Wenn ich meiner Tochter beim Blockflöteüben zusehe, werde ich immer wieder daran erinnert, wie Träume tatsächlich Wirklichkeit werden. Nicht durch Perfektion, sondern durch Übung. Durch Anstrengung. Durch Frustration. Und durch das mutige Weitermachen, auch wenn man am liebsten alles hinwerfen würde.
Üben ist mehr als Wiederholen
Meine Tochter möchte ein Lied spielen können, das ihr wirklich etwas bedeutet. Doch der Weg dorthin ist holprig. Finger verrutschen, Töne quietschen, die Geduld ist manchmal schneller am Ende als das Lied. Und trotzdem setzt sie sich wieder hin. Übt weiter. Lernt, dass Fortschritt nicht linear ist.
Aus systemischer Sicht ist genau das spannend: Üben findet nie isoliert statt. Es ist eingebettet in Beziehungen, Erwartungen, innere Glaubenssätze und Erfahrungen. Wenn ich sie begleite, übe ich selbst auch – mich zurückzunehmen, zu ermutigen statt zu drängen, den Prozess zu sehen statt nur das Ergebnis.
Nicht aufgeben – ein Muster, das wir weitertragen
Dieses Muster begegnet mir auch in der Schwangerschaft. Eine Schwangerschaft ist kein Zustand, den man „einfach kann“. Sie fordert heraus – körperlich, emotional, biografisch. Alte Erfahrungen, manchmal auch alte Verletzungen oder Traumata, melden sich plötzlich zu Wort.
Traumasensible Geburtsvorbereitung bedeutet für mich, genau hier hinzuschauen: Welche inneren Stimmen begleiten mich? Welche Erfahrungen wirken im Hintergrund mit? Und was brauche ich, um mich sicher, selbstwirksam und getragen zu fühlen?
So wie beim Blockflöteüben gilt auch hier: Es darf anstrengend sein. Es darf Pausen geben. Und Aufgeben ist keine Lösung – aber ein liebevolles Innehalten manchmal schon.
Systemische Methoden als Brücke
Systemische Methoden helfen, diese Zusammenhänge sichtbar zu machen. Sie laden dazu ein, nicht nur auf das „Problem“ zu schauen, sondern auf das ganze System: die Familie, die eigene Geschichte, die Rollen, die wir übernommen haben – oft schon sehr früh.
In der Schwangerschaft kann das bedeuten, alte Muster bewusst zu würdigen und neue zu wählen. In der Begleitung meiner Tochter bedeutet es, nicht nur ihr Üben zu sehen, sondern auch meine eigene Haltung dazu. Welche Erwartungen bringe ich mit? Welche Träume projiziere ich vielleicht unbewusst?
Träume brauchen Zeit – und Mitgefühl
Ob es der Wunsch ist, ein Lied spielen zu können, eine selbstbestimmte Geburt zu erleben oder alte Wunden zu heilen: Träume brauchen Zeit. Sie brauchen Übung. Und vor allem Mitgefühl – mit uns selbst und mit anderen.
Wenn ich heute meine Tochter sehe, wie sie ein Stück fast fehlerfrei spielt, weiß ich: Es geht nicht nur um Musik. Es geht um Vertrauen. Um das Wissen: Ich kann lernen. Ich darf scheitern. Und ich darf weitergehen.
Vielleicht ist das die wichtigste Vorbereitung auf Geburt, Elternschaft und Leben überhaupt.
Schau gerne unter Systemische Beratung, dort können wir gerne deine Anliegen im Bezug auf deine Elternschaft besprechen. Du kannst auch gerne im Bereich traumasensible Geburtsvorbereitung stöbern, falls du gerade schwanger bist oder dich auf eine Schwangerschaft vorbereitest.

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